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Alte Sorten für den Bioapfelsaft – Projekt zum Erhalt von Wetterauer Streuobstwiesen

Der Zustand der Streuobstwiesen und die erwartete Erntemenge werden dokumentiert.

Der Zustand der Streuobstwiesen und die erwartete Erntemenge werden dokumentiert.

Die Zahl der Streuobstwiesen in der Wetterau geht wie überall in Hessen zurück. „Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir mit dem Naturschutzfonds ein Projekt vorantreiben, um diese wertvollen Landschaftsbestandteile zu erhalten“, sagt Landrat Jan Weckler, seit Jahresbeginn auch Vorsitzender des Naturschutzfonds Wetterau e.V..

Streuobstwiesen gehören zu den ökologisch wertvollsten Flächen. Sie sind traditionell durch eine Mehrfachnutzung gekennzeichnet: Die Bäume dienen der Obsterzeugung, das Grünland zur Heugewinnung oder als Weidefläche. Der Artenreichtum ist deutlich höher als in Obstbaumplantagen mit Niederstämmen.

„Im Rahmen des Projekts „Streuobst für Bio-Apfelsaft“ steht der Landschaftspflegeverband rund 20 teilnehmenden Bewirtschaftern beratend zur Seite, organisiert die Biozertifizierung und eine biozertifizierte Sammelstelle und vermarktet die Äpfel zu einem überdurchschnittlichen Preis“, erläutert Landrat Weckler. Wichtigster Kooperationspartner ist dabei die Rapps Kelterei in Karben, die die gesamte Erntemenge der Äpfel aufkauft und zu Bioapfeldirektsaft verarbeitet. Voraussetzung dafür ist freilich, dass die Äpfel tatsächlich auch auf biologische Weise produziert werden. Das heißt, dass grundsätzlich auf Pflanzenschutz und Dünger verzichtet wird.

Das allerdings ist ohnehin die Regel. „Die Bewirtschaftung und Pflege von Obstwiesen ist aufwändig und zuweilen mühsam“, erläutert Franka Hensen, seit 1. April Geschäftsführerin des Naturschutzfonds Wetterau. „Diese wertvollen Teile der hessischen Kulturlandschaft sind durch Nutzungsaufgabe im Rückgang befindlich. Streuobstwiesen sind eines der artenreichsten Biotope bei uns, so dass ihr Erhalt dennoch lohnenswert ist. Obstwiesenpflege kann ein sinnstiftendes Hobby mit hohem Naturerlebniswert sein. “

Der Aufwand für den Landschaftspflegeverband ist allerdings auch nicht gerade gering. Dario Mauermann arbeitet seit dem 1. Juli beim Naturschutzfonds. Der studierte Landschaftsökologe mit Masterabschluss aus Bonn kontrolliert jede einzelne Fläche, immerhin mehr als 40, und geht von Baum zu Baum, um dessen Zustand und den zu erwartenden Ertrag in eine Liste einzutragen.

Den Himbacher Grünen oder den Rohrbacher Bärenapfel sucht man im Supermarkt vergebens

Anhand von Luftbildaufnahmen gehen sie von Fläche zu Fläche und notieren akribisch alle Besonderheiten. „Das ist eine sehr langwierige Arbeit, aber für die Biozertifizierung ist dies nun einmal nötig “, sagt Dario Mauermann. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Flächen klein sind und zum Teil sehr weit auseinander liegen. Insgesamt kommen so gerade einmal 20 Hektar Streuobstfläche zusammen verteilt auf rund 40 verschiedene Parzellen deren größte zwei Hektar groß ist, die kleinste nur 300 Quadratmeter misst.

Reich werden die Erzeuger von Streuobst in der Wetterau nicht, dank der Bio-Zertifizierung erhalten die Teilnehmer aber einen lohnenswerten Aufschlag. Der Plantagenanbau von Obst ist da deutlich ertragreicher. Allerdings würde dann auch viel verloren gehen. Rund 60 Apfelsorten kennt man im Plantagenanbau, 3.000 Apfelsorten insgesamt gibt es in Deutschland. Viele davon finden sich auf den Streuobstwiesen. Den Himbacher Grünen oder den Rohrbacher Bärenapfel sucht man im Supermarkt vergebens. Vielleicht eignet er sich nicht als Tafelapfel, aber zu Saft gepresst oder zu Apfelwein gekeltert ist er ein wahrer Genuss und trägt mit dazu bei, das hessische Nationalgetränk und die Streuobstwiesen dauerhaft zu erhalten.

veröffentlicht am: 20.08.2019

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