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Apfelbäume mit Haarnetz

Selbst wenn sich alle Raupen bereits zur Motte entwickelt haben, sind die Gespinste der Apfel-Gespinstmotte noch im Streuobst zu finden. Viele Blätter der Bäume sind zerfressen und sterben ab. Die Apfelbäume haben weniger Kraft für die Ausbildung und Entw

Selbst wenn sich alle Raupen bereits zur Motte entwickelt haben, sind die Gespinste der Apfel-Gespinstmotte noch im Streuobst zu finden. Viele Blätter der Bäume sind zerfressen und sterben ab. Die Apfelbäume haben weniger Kraft für die Ausbildung und Entwicklung von Früchten.

Nach der Obstbaumblüte im Frühjahr bieten viele Streuobstwiesen derzeit keinen schönen Anblick mehr. Viele Obstbäume sind „eingesponnen“ und wirken daher trotz des freundlichen Sommerwetters trostlos. Verantwortlich für diesen Anblick ist der Apfel-Spinner, ein kleiner unscheinbarer Falter aus der Familie der Gespinstmotten.

Bei einem Massenaufkommen können die weißen Gespinste mit den oft hunderten darin lebenden Raupen auch größere Bäume wie ein Haarnetz dicht umschließen. Die hungrigen Larven fressen den Baum in kurzer Zeit praktisch kahl, der Baum wirkt in dieser Zeit wie tot.

Der Spuk endet erst einmal, wenn sich die Larven verpuppen und der kleine weiße, schwarz gepunktete Falter schlüpft. In der Regel treiben gesunde Obstbäume im Anschluss wieder aus. Trotzdem muss mit Ertragseinbußen im Herbst gerechnet werden, denn schließlich können mit der Apfel-Gespinstmotte befallene Apfelbäume ihre Kraft weniger in die Ausbildung und Entwicklung von Früchten investieren. „Dieser Trend setzt sich in den Folgejahren vermutlich weiter fort, da eine Bekämpfung der Apfel-Gespinstmotte sehr schwierig ist. Überdies wird der Baum mit der Zeit anfälliger gegenüber anderen Krankheiten und Umwelteinflüssen“, erklärt Stefanie Friederich vom Landschaftspflegeverband Naturschutzfonds Wetterau e. V..

Die sommerliche Paarungszeit des Falters wird durch heißes und trockenes Wetter begünstigt und es werden besonders viele Eier in die Blattknospen der Bäume abgelegt. Folgt darauf noch ein milder und schneearmer Winter, ist die Mottenplage im Frühjahr bereits vorprogrammiert.

Der Einsatz von Insektiziden jeder Art ist nicht zu empfehlen, da dies auch Bestände harmloser Schmetterlingsarten gefährdet. Eine zunehmende Bedeutung kommt der biologischen Bekämpfung durch den Einsatz von natürlichen Fressfeinden wie z. B. der Schlupfwespe zu.

Bei der Bekämpfung der Gespinstmotten ist der Zeitpunkt entscheidend: Haben sich die Mottenlarven erst einmal eingesponnen, sind sie in ihrem Gespinst gut geschützt. Zur Entfernung haben sich zu diesem Zeitpunkt am besten mechanische Mittel wie starker Rückschnitt oder Abspritzen der Gespinste mit einem starken Wasserstrahl bewährt. Im Anschluss ist das Anbringen von Leimringen empfehlenswert, um eine erneutes Hochkriechen der Raupen am Stamm zu verhindern. Alle entfernten Gespinste und Pflanzenteile sind unbedingt fachgerecht zu entsorgen.

Landrat Weckler: Förderung der Artenvielfalt hat oberste Priorität.

Am wichtigsten ist es jedoch, das biologische Gleichgewicht auf Streuobstwiesen und in Gärten zu fördern. So halten sich Schädlinge und Nützlinge die Waage. Fressfeinde von Larven sind viele Singvogelarten. „Der Ansiedlung von vielen Vogelarten kann durch das Anbringen von Nisthilfen schon mit einfachen Mitteln geholfen werden“ sagt Landrat Jan Weckler, Vorsitzender des Naturschutzfonds Wetterau e. V. „Auf den Wetterauer Streuobstwiesen hat die Förderung der Artenvielfalt seit vielen Jahren oberste Priorität. Wichtig ist vor allem die Zusammenarbeit aller Akteure, um das Zusammenspiel von Natur, Artenvielfalt und Produkterzeugung in Einklang zu bringen“ so Weckler. Der Naturschutzfonds bietet neben der Pflege der eigenen Flächen auch Privatleuten zum Beispiel Hilfestellungen bei der Vermarktung von Äpfeln an.

veröffentlicht am: 06.08.2020

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