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Die Artenvielfalt steckt im Grünland

Grünlandtagung 21.02.2019

Grünlandtagung 21.02.2019

Der Naturschutzfonds Wetterau e. V. und der Wetteraukreis hatten zur „Grünlandtagung 2019 – ökonomische und nachhaltige Bewirtschaftung“ am 21.02.2019 eingeladen. Nachhaltige Nutzung des Extensivgrünlands, Artenvielfalt oder der Umgang mit Giftpflanzen waren Themen, die in Ranstadt beleuchtet wurden.

Von trockenen Magerrasen bis hin zu Feuchtwiesen hat extensiv genutztes Grünland neben der Futterproduktion eine herausragende Bedeutung für die biologische Vielfalt in Mitteleuropa. Seit den 1990er Jahren wird im Wetteraukreis vermehrt extensive Grünlandbewirtschaftung betrieben. Insbesondere in den Auen existieren heute wieder großflächig artenreiche Extensivwiesen. Nicht umsonst gilt der Auenverbund Wetterau als ein Hotspot der biologischen Artenvielfalt. Dies gilt auch als Ergebnis der jahrzehntelangen Teilnahme der Landwirte an den Agrarumweltprogrammen. Trotz intensiver Bemühungen gelang es jedoch in Einzelfällen nicht, bestimmte Pflanzengesellschaften bzw. Arten wieder in die Ausbreitung zu bringen. Regionale Unternutzung des Grünlandes und die regionale Ausbreitung der Herbstzeitlose führte zudem zu einer Verschlechterung der Futterqualität. Die Tagung zielte daher gleichermaßen auf Verbesserung der Futterqualität und biologischer Vielfalt ab.

Landrat und zugleich Vorsitzender des Naturschutzfonds Wetterau e. V., Jan Weckler, eröffnete die Tagung, die mit über. 150 Interessierten gut besucht war. Landwirtschaft und Naturschutz können sich laut Weckler gegenseitig ergänzen und eine ökologische und nachhaltige Bewirtschaftung gleichermaßen ermöglichen. Auch Florian Dangel, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Wetterau-Frankfurt am Main sieht einen positiven Mehrwert in der Veranstaltung.

Frau Astrid Rauner (Planungsbüro PlanWerk Nidda) referierte über die nachhaltige Bewirtschaftung von artenreichen Grünlandgesellschaften. Sie gab Hinweise und Empfehlungen wie die einzelnen Pflanzengesellschaften optimal zu bewirtschaften sind. Neben Feuchtwiesen standen magere Flachlandmähwiesen, Salzwiesen und Pfeifengraswiesen im Fokus des Vortrags.

Frau Ute Heinzerling vom Fachdienst Landwirtschaft des Wetteraukreises informierte anschließend über Fördermöglichkeiten des HALM.

„Extensivgrünland nachhaltig nutzen und optimal verwerten“ lautete der Titel des Vortrags von Frau Katharina David aus dem Beratungsteam des LLH. Eine Quintessenz des Vortrags war, dass eine allzu extensive Bewirtschaftung nach der Devise „Weniger ist manchmal zu wenig“ einen negativen Effekt auf ökonomische Grünlandbewirtschaftung haben kann. Die Expertin zeigte auf, dass verfilzte Bestände und nicht abgeräumter Aufwuchs die Grasnarbe ersticken. Gräser wie Weidelgras und Wiesenrispe, die eine stabile Grasnarbe fördern, werden durch eine zu geringe Nutzung geschwächt – die Futterqualität sinkt, weil Fusarien das Altgras zersetzen. Dies gilt gleichermaßen für konkurrenzschwache Kräuter. Aus der fachlichen Praxis eines adäquaten Grasnarbenmanagement erläuterte Frau David Aspekte wie optimale Schnitthöhe, Abschleppen, Vermeidung von Trittschäden und Bodenverdichtung. Nur durch entsprechende Pflege und Nutzung kann eine angemessene Futterqualität erreicht werden - eine Unternutzung hingegen führt zu schlechteren Leistungen in der Tierproduktion und wirkt sich negativ auf die Artenvielfalt aus, resümierte die Referentin und schloss mit der Botschaft „Ökonomie und Biodiversität schließen sich nicht aus“ ab.

Frau Dr. Anna Marie Techow, ebenfalls vom Beratungsteam LLH referierte zum Thema Giftpflanzen. Die Expertin zeigte auf, wie mit dem Auftreten von Giftpflanzen umgegangen werden kann: Die Verletzung der Samenkapseln der Herbstzeitlose durch dreijährige Mulchschnitte jeweils im Mai kann zur deutlichen Eindämmung der Giftpflanze führen. Zudem wurde die Vorgehensweise der Eindämmung von Schachtelhalmen und Kreuzkräutern aufgezeigt.

Die Veranstaltung wurde von vielen Beteiligten als sehr abwechslungsreich und informativ aufgenommen. Besonders war, dass die Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln, nämlich der Landwirtschaft und des Naturschutzes, beleuchtet wurde. Die Tagung diente einem regen Austausch zwischen Landwirtschaft und Naturschutz und führte zu einer Bewusstseinsschärfung beider Interessensgruppen. Die Erkenntnis, dass auch durch extensive Grünlandbewirtschaftung eine hochwertige Futtererzeugung verwirklicht werden kann, war eine der Botschaften, die die über 150 Teilnehmer aus der Veranstaltung mitnehmen.

veröffentlicht am: 28.01.2019

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