Schäferberatung

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Erfahrungsaustausch zur Weidepflege von Extensivweiden

Wolfgang Wagner und Astrid Rauner vom Büro Planwerk berichteten den Teilnehmer der Veranstaltung von ihren Erfahrungen.

Wolfgang Wagner und Astrid Rauner vom Büro Planwerk berichteten den Teilnehmer der Veranstaltung von ihren Erfahrungen.

Letzte ihrer Art: Im ehemaligen Projektraum der Wetterauer Hutungen wächst das letzte Vorkommen der Kalk-Aster in Mittelhessen. Wenn sich langfristig kein Beweider für die Fläche findet, wird die Art in Mittelhessen aussterben.

Magerrasen sind mit die artenreichsten Landschaftselemente unserer Heimat und durch Schaf- oder Ziegenbeweidung entstanden, teilweise bereits vor Jahrhunderten. Ihr Erhalt ist im Rahmen heutiger landwirtschaftlicher Leistungsmaßstäbe zeit- und kostenintensiv. Die Biotope und viele ihrer typischen Arten sind in den vergangenen Jahrzehnten selten geworden. Bereits während des 2014 abgeschlossenen LIFE+-Projektes Wetterauer Hutungen wurden gemeinsam Maßnahmen mit Schäfern und Ehrenamtlichen ergriffen, um Magerrasen in den Landkreisen Wetterau und Gießen zu reaktivieren oder zu erhalten.

Um die gesammelten Erfahrungen der Ehrenamtlichen und der Schäfer im ehemaligen Projektgebiet der Wetterauer Hutungen an einen Tisch zu bringen, fand am Freitag den 06.April ein erster Erfahrungsaustausch zur Weidepflege von Extensivweiden in Hungen statt. Geladen waren neben Schaf- und Ziegenhaltern haupt- und ehrenamtliche Schutzgebietsbetreuer und Naturschutzgruppen sowie Vertreter der landwirtschaftlichen Fachbehörden. Der Erfahrungsaustausch fand im Rahmen der Gesamtbetrieblichen Biodiversitätsberatung für Schäfereibetriebe statt.

Der Einladung folgten über vierzig Beweider und Naturschützer aus dem Raum Hungen, Münzenberg, Nidda, Langgöns, Glauburg, Lich, Fernwald und Laubach. Ihnen präsentierte der Grünlandexperte Wolfgang Wagner, Geschäftsführer des Büros Planwerk aus Nidda, zunächst einige Impressionen der Naturschätze der Wetterauer und Gießener Hutungsflächen. Allein in dieser Region wurden auf den Magerrasenflächen rund 130 Arten nachgewiesen, die gemäß einer Roten Liste selten oder sogar vom Aussterben bedroht sind. So ist beispielsweise in Münzenberg der Langgestielte Mannsschild zu finden.

Ohne gut praktizierte Beweidung seien diese uns andere besonderen Landschaftsteile nicht zu erhalten, betonte Wagner. Kurzrasigkeit, niedrigwüchsige Kräuter und leichte Lücken in der Pflanzendecke seien dabei ein Zeichen sachgerechter Beweidung und nicht etwa zu intensiver Bewirtschaftung. Überbeweidung und Trittschäden seien durch Schaf- und Ziegenbeweidung nur sehr selten zu beobachten.

Trotzdem fallen immer mehr Hutungen brach. Das letzte Vorkommen der Kalk-Aster in Mittelhessen ist beispielsweise durch Nutzungsaufgabe der Flächen bedroht. Viele Schäfereien arbeiten am wirtschaftlichen Existenzminimum. Die Gründe dafür untermalte Astrid Rauner, Hauptverantwortliche für die Biodiversitätsberatung bei Planwerk, mit einer Gegenüberstellung von durchschnittlichen Kosten und Erlösen in Schäfereibetrieben. Im Schnitt bestehen die Erlöse einer Haupterwerbsschäferei zu über 60% aus Agrarsubventionen, erst dahinter rangiert die Fleischvermarktung. Eine enorme Leistung erbringen die mit der Landschaftspflege, die oft jedoch nur aus den Flächenprämien und Agrarumweltmaßnahmen der Länder honoriert werden. Fast nie decken diese die realen Kosten der Beweidung, sodass viele Schäfereien Rote Zahlen schreiben. Dem gegenüber stehen im Durchschnitt über 3700 Arbeitsstunden pro Jahr, die in vielen Betrieben hauptsächlich von einer einzigen Person geleistet werden müssen. Weiterhin beinhalten viele Agrarförderprogramme starre Vorgaben, die im Alltag eines Landwirtschaftsbetriebes nur schwer umsetzbar seien. So gerieten viele Schäfereien in die Gefahr, sanktioniert zu werden. Das korrekte Ausfüllen von Antragsformularen sei wichtiger als die Weideflächen als solche geworden, kommentierte Schäfer Rudi Weber aus Hüttenberg.

Dass Schäfereibetriebe unbedingt erhalten werden müssen, in dieser Hinsicht waren sich alle Teilnehmer der Veranstaltung einig. Auch die Ehrenamtlichen und Behördenvertreter stimmten zu, dass die Fördermittel der Agrarpolitik an die reale Situation der Schäfereibetriebe angepasst werden müssten

Das Resümee ist, dass der allgemeine Trend zur Intensivierung der Tierhaltung in immer größeren Ställen mit allen negativen Folgen auch die denkbar artgerechteste und Artenvielfalt erhaltende Tierhaltung und einen der ältesten Berufe der Menschheit zu verdrängen droht. Daher ist der Schäfer als gefährdeter Beruf „auf der Roten Liste“ zu sehen, der die Unterstützung der Gesellschaft benötigt, um weiter für den Erhalt der Kulturlandschaft und nachhaltig erzeugte, regionale Produkte in unserem Land zu sorgen.

veröffentlicht am: 19.07.2018

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