Bestäuberkrise und die wahren Helden

Eine Wildbiene sitzt auf einem leeren weißen Schneckenhaus

Die Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene ist eine der ersten zu beobachtenden Wildbienen im Jahr. Die ersten Männchen erscheinen bereits ab Anfang März. Die Weibchen nutzen zur Eiablage ausschließlich verlassene Schneckenhäuser. Foto: Karl-Hermann Heinz

Bestäuberkrise und Insektensterben. In diesem Zusammenhang wird oft die Honigbiene als Synonym für alle Bienen verwendet. Anlässlich des vierten Weltbienentages am 20. Mai macht der Naturschutzfonds Wetterau e.V. auf die außerordentliche Bedeutung der Wildbienen aufmerksam.

Rund 570 Wildbienen-Arten leben in Deutschland. Zwischen drei Millimeter und drei Zentimeter groß werden unsere heimischen Wildbienen. Oft werden sie wegen ihrer geringen Größe oder ungewöhnlichen Färbung überhaupt nicht als solche erkannt.

Wildbienen leben ohne Zutun des Menschen. Sie produzieren keinen Honig und nisten, anders als die Honigbiene, überwiegend einzeln. Es gibt aber auch Ausnahmen, wie die Hummeln und die meisten Schmalbienen-Arten. Sie bilden kleine, einjährige Staaten und legen Vorräte an, für schlechte Tage.

Jedes Wildbienen-Weibchen kümmert sich selbst um seine Nachkommen. Dafür legt sie Brutzellen in vorhandenen Hohlräumen an, zum Beispiel in Holz oder in selbstgegrabenen Gängen in Abbruchkanten, im Erdboden oder auch in leeren Schneckenhäusern.

Kommerzielle Nisthilfen sind nicht die Ultima Ratio

Die viel gehandelten Nisthilfen und Bienenhotels können nur von Arten besiedelt werden, die auch üblicherweise in markhaltigen Stängeln, wie zum Beispiel von Brombeer- und Holunderbüschen nisten. Nur ein Drittel der Wildbienen-Arten profitiert daher von diesen Bienenhotels.

Fehler bei der Konstruktion und der Wahl des richtigen Materials können für die Wildbienen dramatische Folge haben. So ist zum Beispiel von Nadelholz abzuraten, es ist zu weich und die Bohrlöcher geraten nicht sauber. Krabbelt eine Biene rückwärts hinein verletzt sie ihre zarten Flügel. Ein sicheres Todesurteil für die Biene und ihre Brut. Aber auch bei grundsätzlich geeignetem Holz können Löcher unsauber sein, etwa wenn falsch gebohrt wurde. Selbst unsaubere Schilf- und Bambusrohre können zur Todesfalle werden. Landrat Jan Weckler, Vorsitzender des Naturschutzfonds Wetterau e.V., rät: „Am besten ist es, sich vor dem Bau oder Kauf einer Nisthilfe über die genauen Ansprüche der Wildbienen zu informieren. Wenn möglich lässt sich im Garten auch ein kleiner Bienenhügel aus Lehm oder Sand anlegen. Knapp 400 der 570 Wildbienen-Arten lassen sich damit einfache und effektiv unterstützen.“

Wildbienen sind unverzichtbar im Ökosystem

75 Prozent aller Bestäubungsarbeit leisten wild lebende Bestäuber, von denen Wildbienen den größten Anteil stellen. Die Bestäubungsleistung der Wildbienen wird durch die Arbeit der Honigbiene lediglich ergänzt. Besonders beeindruckend: für die Bestäubung eines Hektars Apfelbäume reichen wenige hundert Weibchen der Gehörnten Mauerbiene, einer Wildbiene. Für die gleiche Aufgabe sind hingegen mehrere zehntausend Arbeiterinnen der Honigbiene nötig.

Lebensräume erhalten und schaffen

Die meisten Arten der Wildbienen sind an offene, trocken-warme Lebensräume angepasst. Magere Grünlandstandorte, wie die Magerrasenvorkommen des Wetteraukreises sind als Nahrungsquelle für Wildbienen von besonderer Bedeutung. Die kleinen, fleißigen Helfer sind allerdings auch auf struktur- und blütenreiche Agrarlandschaften angewiesen. „Die Blühenden Bänder des Naturschutzfonds, angelegte blütenreiche Wege und Raine, sind neben der Biodiversitätsberatung der Schäfereien ein Puzzleteil der Maßnahmen zur Unterstützung der Wildbienen“, so Vorsitzender Landrat Jan Weckler.

veröffentlicht am: 19. Mai 2022